Viele Karrieren beginnen nicht mit einem akademischen Plan, sondern mit einem privaten Interesse. Wer sich intensiv mit Technik, Natur, Planung oder Nachhaltigkeit beschäftigt – sei es in der Freizeit, im Studium oder durch Engagement in Initiativen – bringt oft mehr mit als reines Fachwissen. Aus dem Hobby wird dann Schritt für Schritt eine berufliche Richtung. Die Motivation ist hoch, das Lernen geschieht freiwillig und oft über Jahre. Genau dieses intrinsische Interesse macht den Unterschied: Es zeigt sich in Eigeninitiative, im Drang nach Weiterentwicklung und in der Bereitschaft, Verantwortung zu übernehmen. Immer mehr Arbeitgeber erkennen diesen Wert und achten im Recruiting nicht nur auf formale Abschlüsse, sondern auf persönliche Antriebskraft. Menschen, die bereits im Privaten tief in ein Thema eingetaucht sind, haben häufig einen authentischen Bezug zu ihrer späteren Rolle. Sie brauchen kein Onboarding in die Materie – nur die richtige Position, um ihre Energie umzusetzen.
Quereinstieg als Chance für Unternehmen
Gerade im Kontext des Fachkräftemangels wird der Blick auf Quereinsteiger zunehmend strategisch relevant. Viele von ihnen bringen genau das mit, was im Projektalltag zählt: Flexibilität, Lernfähigkeit und eine starke Motivation. Der klassische Lebenslauf sagt oft wenig über Eignung aus – wichtiger ist die Fähigkeit, sich in neue Themen einzuarbeiten und mit Ungewissheit konstruktiv umzugehen. Wer als Hobbyplaner, Technikenthusiast oder Umweltaktivist seine Leidenschaft über Jahre pflegt, entwickelt ein Gespür für Zusammenhänge, das sich nicht an Studienordnungen messen lässt. Unternehmen, die offen für solche Profile sind, gewinnen Menschen mit Haltung und Umsetzungskraft. Das erfordert allerdings neue Formen der Bewerberansprache: weniger standardisierte Filter, mehr Dialog auf Augenhöhe. Wer bereit ist, Potenzial über Titel zu stellen, erschließt ein breites Feld engagierter Talente, die nicht in typischen Recruiting-Kanälen auftauchen – aber oft genau die richtigen Mitgestalter sind.
Mitarbeiter finden, die sich wirklich einbringen
Gute Fachkräfte zu finden, ist eine Herausforderung – engagierte Mitgestalter zu gewinnen, eine strategische Aufgabe. Besonders in Bereichen mit hoher Verantwortung und Projektlänge braucht es Menschen, die nicht einfach Positionen besetzen, sondern Verantwortung übernehmen wollen. Das gelingt, wenn Unternehmen ihre Kultur und Ziele klar kommunizieren und Freiräume schaffen, in denen Eigeninitiative nicht nur erlaubt, sondern erwünscht ist. Wer Mitarbeitende sucht, die mehr mitbringen als Routine, muss ihnen früh das Gefühl geben, ernst genommen zu werden. Bereits im ersten Kontakt entscheidet sich, ob eine Verbindung entsteht. Reines Bewerber-Scoring greift zu kurz – gefragt ist ein Dialog, der Potenzial sichtbar macht. Dabei helfen strukturierte Gespräche, konkrete Einblicke in Arbeitsprozesse und ein ehrlicher Umgang mit Anforderungen. Wer gestalten will, sucht Sinn – und findet ihn nur, wenn das Unternehmen mit Haltung auftritt.
Checkliste: So findet man Berufung und Kompetenz in einer Person
Kriterium | Bedeutung |
---|---|
Persönliches Engagement im Fachgebiet | Zeigt echte Motivation und Eigeninitiative |
Klare Werteorientierung | Passt zu nachhaltigen Projekten mit Verantwortung |
Bereitschaft zu lebenslangem Lernen | Wichtig bei dynamischen Projektanforderungen |
Kommunikationsstärke | Unerlässlich für Abstimmungen mit Behörden und Partnern |
Eigenverantwortung und Struktur | Erlaubt selbstständiges Arbeiten im Projektverlauf |
Interesse an Technik und Prozessen | Grundlegend für Verständnis komplexer Abläufe |
Offenheit für interdisziplinäre Teams | Unterstützt Zusammenarbeit über Fachgrenzen hinweg |
Flexibilität bei Aufgabenverteilung | Hilft im dynamischen Projektgeschehen |
Erfahrung aus privatem oder ehrenamtlichem Kontext | Ergänzt formale Qualifikation sinnvoll |
Reflektierter Blick auf die eigene Motivation | Deutet auf langfristige Bindung hin |
Wo das Potenzial für die Windenergie liegt
Perspektiven aus der Praxis: Interview mit Niklas Brenner
Niklas Brenner ist Teamleiter Recruiting bei einem Dienstleister für technische Fach- und Führungskräfte im Bereich nachhaltiger Infrastruktur.
Wie erkennen Sie, ob jemand seine Leidenschaft zum Beruf machen möchte?
„Meist zeigt sich das in der Art, wie über Projekte gesprochen wird. Wer innerlich brennt, spricht konkret, motiviert und mit Bezug zu eigenen Erfahrungen – unabhängig vom formalen Werdegang.“
Sind Quereinsteiger für anspruchsvolle Projektrollen überhaupt geeignet?
„Absolut. Entscheidend ist, ob jemand bereit ist, Verantwortung zu übernehmen und sich einzuarbeiten. In der Praxis zeigen Quereinsteiger oft ein hohes Maß an Eigenantrieb.“
Wie bewerten Sie persönliche Interessen im Recruitingprozess?
„Sehr hoch. Wer sich privat mit ähnlichen Themen beschäftigt, bringt automatisch ein Verständnis mit, das nicht auf dem Papier steht. Diese Haltung ist in Projekten Gold wert.“
Was unterscheidet engagierte Bewerber von durchschnittlichen?
„Sie fragen viel, denken mit, bringen Ideen ein – schon im Gespräch. Es geht ihnen nicht um irgendeinen Job, sondern um die Möglichkeit, Wirkung zu erzielen.“
Welche Rolle spielt Weiterbildung beim Einstieg?
„Eine zentrale. Viele bringen das Interesse mit, aber nicht das komplette Fachwissen. Wir setzen dann auf gezielte Qualifizierung, oft schon parallel zum Einstieg.“
Wie gehen Unternehmen am besten mit unkonventionellen Lebensläufen um?
„Offenheit hilft. Nicht sofort aussortieren, sondern nachfragen. Wer neugierig bleibt, entdeckt oft viel mehr Potenzial als erwartet.“
Danke für diese klaren und praxisnahen Einblicke.
Haltung schlägt Herkunft
In Zeiten knapper Fachkräfte wird deutlich, dass klassische Kriterien allein nicht mehr ausreichen. Es braucht ein neues Verständnis von Eignung – eines, das Leidenschaft, Haltung und Lernbereitschaft ernst nimmt. Menschen, die ihr Hobby zum Beruf machen, bringen genau das mit, was Projektteams heute brauchen: Eigeninitiative, Verantwortungsbewusstsein und ein echtes Interesse an der Sache. Wer diese Eigenschaften erkennt und fördert, gewinnt nicht nur Fachkräfte – sondern Mitgestalter. Unternehmen, die das zulassen, erweitern ihre Möglichkeiten enorm. Denn wo Menschen gestalten dürfen, entsteht mehr als Leistung: Es entsteht Identifikation.
Bildnachweise:
ThorstenSchmitt– stock.adobe.com
Omor– stock.adobe.com
Charlize Davids/peopleimages.com– stock.adobe.com